Wege im Hegereiterland

Die Freie Reichsstadt Rothenburg o. d. T. hatte im Mittelalter einen Landbesitz, der 183 Dörfer und eine Fläche von knapp 400 km2 umfasste. Zum Schutz dieser so genannten "Landwehr" wurde im Norden und Westen eine 62 km lange Anlage mit dreifachen Wällen und Türmen errichtet, die zum Teil heute noch sichtbar ist bzw. rekonstruiert wurde. Im Osten bildete die bewaldete Frankenhöhe einen natürlichen Schutz vor Eindringlingen. Hegereiter ritten mehrmals täglich auf der Landhege, sie bewohnten die Landtürme (bestes erhaltenes Beispiel in Großharbach) und erhoben den Wegezoll für die Freie Reichsstadt. Das Hegereiterland nördlich von Rothenburg o. d. T. ist durch mehrere Themenwege für Radfahrer und Wanderer erschlossen:

  • Auf den Spuren des Hegereiters
  • Auf den Spuren der Kelten
  • Auf den Spuren des Weins
  • Glaubensweg

 

Reichardsroth: Geschichte begehen – Wald erleben


Im Toppler-Jahr 2008 hat die Gemeinde Ohrenbach den Geschichtsweg um Reichardsroth sowie den Naturlehrpfad im Galgenholz eröffnet. 35 im Boden eingelassene Steinplatten machen die reiche Geschichte des Ortes begehbar: Nach einer Legende soll um 990 der Einsiedler Reichard in seiner Zelle im Wald bei Langensteinach gestorben sein. Über seinem Grab wurde von den Herren von Entsee eine Kapelle errichtet. Sie stifteten 1182 auf Veranlassung von Kaiser Friedrich I. und Albrecht von Hohenlohe in Reichardsroth ein Bürgerspital und eine neue Kirche. 1192 gründete daraus der Johanniterorden eine Kommende, 1254 wurde die spätrömische Kirche geweiht. In der Mitte des 15. Jh. wurde der Ordenskonvent in Reichardsroth aufgelöst, 1559 wurde die Gemeinde evangelisch. Der Kirchenbau verfiel in der Folgezeit zunehmend. Für den noch bestehenden Wirtschaftshof setzte der Komtur der Rothenburger Johanniterkommende, zu der Reichardsroth fortan gehörte, nun weltliche Pächter ein. 1387 wurde Reichardsroth an Rothenburg verkauft, die Freie Reichsstadt begann um 1430 mit dem Bau der Landhege, Reichardsroth wurde Grenzort zur Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach. An der Hauptstraße am Ortsrand entstand einer von neun Landtürmen der Rothenburger Landhege, an dem Zoll erhoben wurde und ein Hegereiter wohnte. Das Galgenholz erinnert daran, dass Reichardsroth im Mittelalter Sitz eines Zent- , Blut- oder Halsgerichts war. Das letzte Todesurteil wurde um 1400 vollstreckt.

Zu sehen sind die ehemalige Johanniterkommende mit der Johanniskirche, der romanische Torbogen mit Wehrmauer, Schlosshaus (Ordenshaus) und Schlosshof mit Hof- und Schafscheune von 1733 und Hofgarten. Außerdem ein Bildstock aus dem Jahre 1499, das ehemalige Zollhaus von 1700 der Rothenburger Landhege (um 1700) und ein rekonstruierter Abschnitt des Hege-Grabens im Galgenholz sowie mehrere alte Fachwerkhäuser.

Der Wald im Galgenholz wird durch einen Naturlehrpfad erlebbar. Er führt am ehemaligen Wildschweingehege entlang und zeigt die Tier und Pflanzenwelt im "Kleinen Spessart".