Dorfgemeinschaft Bockenfeld – Impuls durch die Dorferneuerung

Dorferneuerung kann mehr sein als die Gestaltung neuer Wege und Plätze, die Anlage von Grünflächen, der Bau von Spielplätzen und die Verschönerung von Fassaden und Zäunen. All dies gehört dazu, echte Dorferneuerung muss dabei aber nicht stehen bleiben – wie das Beispiel Bockenfeld zeigt.

Von den ersten Projektrunden über die Anordnung des Verfahrens bis zur Abschlussfeier im Sommer 2010 vergingen gut zehn Jahre. In dieser Zeit hat der Ortsteil von Gebsattel mit seinen rund 150 Einwohnern sein Erscheinungsbild gründlich erneuert, einschließlich einer neuen Tauberbrücke, und gleichzeitig ein neues, vorher nicht gekanntes Gemeinschaftsleben entfaltet. Die Projektgruppen der Anfangszeit haben Ideen entwickelt, die dann in einer intensiven Gemeinschaftsaktion umgesetzt wurden und jetzt mit Leben erfüllt werden. Die Arbeitskreise aus der Zeit der Dorferneuerung haben sich inzwischen als "Dorfgemeinschaft Bockenfeld e. V." organisiert. Rund 30 Mitglieder tragen den Verein.

Ehemalige Schule wird Gemeinschaftshaus

Eine zentrale Idee war die Schaffung eines Gemeinschaftshauses als neuem Zentrum des gemeindlichen Lebens, denn an dieser Möglichkeit zur Begegnung fehlte es. Ideal für diese Zweck: das stattliche, seit 1967 nicht mehr für Unterrichtszwecke genutzte Schulhaus in der Ortsmitte. Durch einen Ölunfall bei der Heizung im Schulraum war eine sinnvolle Verwendung praktisch unmöglich geworden. Der Chronist erinnert sich: "1909 hatte die Gemeinde das Gelände am Dorfplatz erworben und mit dem Neubau einer Schule begonnen, dem sich die Bockenfelder vehement widersetzten, da viel Eigenleistung zu erbringen war. Erst 1917 konnte das Gebäude bezogen werden." Ganz anders die Situation einhundert Jahre später: Die Bockenfelder griffen die Idee begeistert auf, die Gemeinde erwarb die Liegenschaft zu einem symbolischen Preis von der evangelischen Kirche als Vorbesitzer und die Bockenfelder engagierten sich voll. Über zweitausend Stunden Eigenleistung wurden bei der Generalsanierung erbracht. Investitionen der Gemeinde und Zuschüsse, insbesondere des staatlichen Amtes für Ländliche Entwicklung, gaben die erforderliche Unterstützung. Im März 2009 wurde das Gemeinschaftshaus dann seiner neuen Bestimmung übergeben. Seither wird es reichlich genutzt und hat sich zur Basis eines neuen Miteinanders für die ganze Gemeinde entwickelt.

 

Bürgerengagement

Einige Beispiele: Im Rahmen der Einweihung wurden ältere Fotos aus dem Leben des Dorfes und seiner Bewohner ausgestellt. Aus der netten Erinnerung an vergangene Zeit entstand der Wunsch, Tradition und Brauchtum neu zu pflegen.

Die Dorfgemeinschaft wird gelebt: Einmal monatlich treffen sich die Bockenfeld in der alten Schule zum frühabendlichen Sonntagsvesper – aber nur außerhalb der "Freiluftsaison", denn dann ist jeden Samstag gemeinschaftliches Grillen angesagt. Zwanglos bringt jeder die Seinen und das Seine mit. Aus dem Adventskranzbinden sind Bastelrunden entstanden, die immer neue Themen entdecken. Es gibt Malkurse ebenso wie Aerobic. Und selbstverständlich das Mostfest, das 2012 zum fünften Mal stattfinden wird.

Das Investment in das "Schlüsselprojekt" der Dorferneuerung, die Instandsetzung des alten Schulgebäudes, hat sich in Bockenfeld offensichtlich gelohnt: Die Basis für ein neues Gemeinschaftsleben ist entstanden. Alle betrachten die Entwicklung als einen großen Gewinn, gerade auch die Neubürger.